Der Schwarze Vere und seine Bande

Am 20. Juli 1819 zieht über Biberach ein gewaltiges Gewitter auf. Ein Blitz dieses Unwetters schlägt im Siechenturm ein, in dem mehrere Gauner gefangen sind. Einer davon, der „Schwarze Vere“, der in ganz Oberschwaben bekannt und gefürchtet ist, wird an der Folge dieses Blitzschlags getötet. Damit endet ein bewegtes Leben, das vor allem durch diesen ungewöhnlichen Tod zur Bildung vielerlei Legenden anregt.

Wer ist der „Schwarze Vere“? Xaver Hohenleiter kommt 1788 im bayerischen Rommelsried als Sohn armer Hirtenleute zur Welt. Ohne Schulbildung schlägt er sich bettelnd und als Taglöhner arbeitend durch. Ab Dezember 1817 bis zur seiner Festnahme am 16. April 1819 bei der Laubbacher Mühle fristet er durch Diebstahl vor allem in alleinstehenden Gehöften sein Leben. Groß und stark, braungebrannt mit pechschwarzen, langen Haaren und einem feurigen Blick besitzt er ein furchteinflößendes Äußeres.

Xaver Hohenleiter - der Schwarze Vere

Wer gehört zu seiner Bande? Von März 1819 an werden die Raubzüge durch eine mindestens sechsköpfige Bande durchgeführt, deren Anführer der Schwarze Vere ist. Neben seiner treuen Begleiterin Maria Josepha Tochtermann gehören dazu sein jüngerer Bruder Ulrich Hohenleiter, der „Urle“ mit Agatha Gebhard, Friedrich Klump, der „Schöne Fritz“ mit Theresia Jeppler, Fidelis Sohm, der „Einäugige Fidele“ mit Crescentia Tochtermann, Sebastian Kellermann, der „Baste“ mit Agnes Gebhard und Joseph Anton Jung, der „Condeer“ mit Crescentia Gebhard.

Was hat der „Schwarze Vere“ mit Ostrach zu tun? Die Umgebung von Ostrach ist von zahllosen Grenzen, Enklaven und Exklaven der souveränen Herrschaften Hohenzollern-Sigmaringen, Württemberg und Baden durchsetzt. In diesem Durcheinander von Zuständigkeiten wählt die Bande des „Schwarz Vere“ ihren Ruheplatz – in einem Waldstück zwischen Ostrach und dem Arnoldsberg. In selbstgebauten Hütten hausen die Gauner mit ihren Frauen, die die erbeuteten Lebensmittel kochen, die Kleidung waschen und flicken. Ebenfalls auf hohenzollerischem Gebiet, in etwa zwei Kilometer Entfernung besuchen sie des Öfteren die Wirtschaft des Mezler, eine Hehlerwirtschaft, um zu essen, zu trinken und zu feiern. Von diesem „Basislager“ aus werden die Raubzüge unternommen, zumeist auf württembergischem und badischem Gebiet, um nach erfolgtem Unternehmen auf kürzestem Weg diesen sicheren Ruheplatz zu erreichen.